Physiotherapie

Physiotherapie

Die post-operative Mobilisation und Rehabilitation nach der Implantierung eines künstlichen Gelenkersatzes beginnt meist am ersten Tag nach der Operation. Ob der Patient sein operiertes Bein dabei wieder voll belasten darf, hängt von der Primärstabilität des Implantats ab: Während zementierte Endoprothesen bereits am ersten Tag voll belastbar sind, müssen unzementierte Endoprothesen für ca. 3 Monate entlastet werden, um eine bestmögliche Osteointegration des Implantats zu gewährleisten. Belastungen vom 2-3fachen Körpergewicht können bereits zu kritischen Mikrobewegungen zwischen Implantat und Knochen führen, die das Einwachsen behindern. Auf dieser Grundlage haben sich Empfehlungen für physiotherapeutische Übungen etabliert, welche als mehr oder weniger belastend eingestuft werden, allerdings basieren diese Empfehlungen auf Vermutungen und sind wissenschaftlich nicht untermauert. 

Belastungen während physiotherapeutischer Behandlung

Patientin H5L mit instrumentierter Hüftendoprothese
Patientin H5L mit instrumentierter Hüftendoprothese

Mithilfe unserer instrumentierten Implantate sind wir imstande, die Belastungen während der Physiotherapie in verschiedenen Gelenken zu bestimmen. So wird zum einen die Belastung während typischer physiotherapeutischer Übungen ermittelt, zum anderen kann der Einfluss unterschiedlicher Bewegungsausführungen auf die Gelenksbelastung untersucht werden, z.B.  eine schnellere Geschwindigkeit oder ein höheres Bewegungsausmaß. Daneben wird der Einfluss diverser Gangmodifikationen auf die Kräfte und Momente ermittelt, z.B. das typische Hinken vieler Arthrosepatienten.
Die physiotherapeutischen Übungen untersuchen wir im Knie-, Hüft- und Schultergelenk sowie in der Wirbelsäule, so dass ein umfassendes und aussagekräftiges Bild über die tatsächlich auftretenden Belastungen geschaffen werden kann. Mithilfe dieser Erkenntnisse können aktuelle Empfehlungen überprüft werden. Daneben unterstützen sie Patienten, Ärzte und Physiotherapeuten in der individuellen Planung der Rehabilitation. [Schwachmeyer et al., 2013]

Wärmeanwendung auf der Haut und der Einfluss auf die intraartikuläre Temperatur

Viele Menschen mit rheumatischen oder orthopädischen Beschwerden klagen über Gelenk- oder Muskelschmerzen. Dabei werden häufig Wärme- oder Kälte-Anwendungen auf der Haut, meist in Form von Wärmepflastern, Körnerkissen, Wärmflaschen oder Eispacks verwendet, um eine Besserung der Beschwerden zu erreichen. Gleichzeitig weisen rheumatische Gelenke während einer akuten entzündlichen Phase eine höhere Gelenktemperatur auf, welche die Aktivität von knorpelabbauenden Enzymen steigert und damit die Degeneration von hyalinem Knorpel beschleunigen kann. Eine durch Wärmeanwendung künstlich erhöhte intraartikuläre Temperatur könnte deshalb einen ähnlich nachteiligen Effekt besitzen. Die jetzt durch instrumentierte Implantate gegebene Möglichkeit zur Messung der intraartikulären Temperatur direkt im Patienten bietet die Chance, den Einfluss einer Wärmeanwendung auf der Haut über dem Gelenk auf die intraartikuläre Temperatur zu untersuchen.