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15.05.2017

Dr. Katherine Wolff zu Gast im Julius Wolff Institut

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Urenkelin von Julius Wolff besuchte die Charité – Universitätsmedizin Berlin

Im Rahmen einer Berlin-Reise verlegte Dr. Katherine Wolff Stolpersteine als Erinnerung an ihre in der NS Zeit vertriebenen Familienangehörigen und als Mahnung an die heutige Generation. Im Anschluss kehrten sie am vergangenen Donnerstag im Julius Wolff Institut (JWI) der Charité ein. Das Forschungsinstitut mit seinen Schwerpunkten in Biomechanik und muskuloskelettaler Regeneration steht in der Tradition von Dr. Wolffs Urgroßvater Prof. Dr. Julius Wolff. Dieser ist der Gründer der orthopädischen Klinik der Charité und verdeutlichte mit seinem Wolffschen Gesetz (engl. Wolff's Law) den direkten Zusammenhang zwischen Mechanik und Biologie. Damit schaffte er das Grundverständnis der modernen Orthopädie. Mit seinem Gesetz postulierte er, dass sich die Form und Struktur des Knochens ständig den wirkenden mechanischen Belastungen anpasst; vereinfacht "Form follows Function". Das Gesetzt besitzt auch heute noch Gültigkeit, weshalb Prof. Wolff als Vorreiter moderner Osteoporose-Therapien bezeichnet werden kann. Aktuelle Arbeiten, bspw. zur Stammzelldifferenzierung zeigen, dass mechanische Kräfte und geometrische Strukturen unmittelbar Degeneration, Heilung und Regeneration von Knochen beeinflussen.

Prof. Dr. Georg Duda und Prof. Dr. Georg Bergmann (Direktor und stellv. Direktoren des JWI) begrüßten die Gäste und informierten über aktuelle Forschungsprojekte der Einrichtung. Ziel des Julius Wolff Instituts ist es, so Prof. Duda, exzellente orthopädische und unfallchirurgische Grundlagenforschung in nachhaltige Lösungen für die Behandlung von Patienten zu überführen.

Prof. Bergmann und Dr. Philipp Damm präsentierten zunächst instrumentierte Implantate. Sie zeigten den Anwesenden wie durch spezielle Messimplantate (z.B. des Knies und der Hüfte) die im Menschen wirkenden Kräfte und Momente live gemessen werden. Beim Gehen wirkt das 2,7-fache Köpergewicht als Kraft auf die Hüfte ein. Ein vergleichbarer Wert tritt auch bei Aquagymnastik auf; hier wirken ähnlich hohe Belastungen. "Nur beim Schwimmen und Fahrradfahren sind die Kräfte geringer. Beim Stolpern kann sogar das 8-fache des eigenen Körpergewichts auf die Hüfte wirken. " so Dr. Damm.

Ein besonderer Höhepunkt wurde der Familie um Dr. Wolff von Dr. Christian Balkovec präsentiert. Er zeigte einen von Julius Wolff persönlich präparierten Oberschenkelknochen, der die typischen Knochenstrukturen aufweist, auf deren Basis Julius Wolff mechanische Beanspruchungen ableitete.

Aktuelle Arbeiten des Julius Wolff Institutes zeigen zudem, wie sich Zellen an mechanischen Rahmenbedingungen im Körper orientieren. Im Zelllabor beschrieben Dr. Ansgar Petersen und Dr. Sven Geißler wie Zellen an künstlicher Gewebematrix (sogenannten Biomaterialien) ziehen und diese verformen. Derartige Materialien werden zur Beschleunigung von Knochen- und Muskelheilung eingesetzt.

Familie Wolff bedankte sich zum Abschluss des Besuchs und man vereinbarte ein erneutes Treffen zum 10-jährigen Instituts-Jubiläum im kommenden Jahr.

 

 

Prof. Dr. Julius Wolff lebet vom 21.03.1836 bis 18.02.1902. Er, als Namensgeber des Instituts, war Gründungsvater der deutschen Orthopädie und Schwager von Nobelpreisträger Emil Behring. "Das Gesetz der Transformation der Knochen" gilt als sein Hauptwerk (Reprint: ISBN Nr. 978-3-86805-648-8).

Dr. Katherine Wolff ist die Urenkelin von Julius Wolff. Sie hat Theologie studiert und ist Schwester „Unserer Lieben Frau von Sion“, einer katholischen Ordensgemeinschaft, deren Anliegen die Aussöhnung zwischen Christen und Juden ist. Dr. Wolff lebt in Israel, wo sie in Einsamkeit und Stille ein Leben des Gebets führt.



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