WPE1852_460x337.jpg

11-06-30 CSSB Symposium

Sie befinden sich hier:

Internationale Symposium "Science based Prevention"

Von Regeneration bis Prävention – ein Forum für interdisziplinäre Präventionsstrategien

Am 30. Juni und 1. Juli 2011 fand im Rahmen der Eröffnung der Sportforschungshalle der Humboldt-Universität zu Berlin das internationale Symposium "Science based Prevention" statt. Unter dem Titel "Von Regeneration bis Prävention – ein Forum für interdisziplinäre Präventionsstrategien" veranstalteten das Centrum für Sportwissenschaft und Sportmedizin Berlin sowie  das Julius Wolff Institut ein Zusammentreffen von renommierten Spitzenforschern aus aller Welt zum Thema Prävention am Beispiel des Bewegungsapparates.

Unter den rund 150 Teilnehmern fanden sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Bereichen Medizin, Biomechanik, Biologie, Ingenieur- und Sportwissenschaft aber auch Industrievertreterinnen und -vertreter aus den Bereichen Medizintechnik, Sport und Sportwissenschaft. Sie diskutierten eineinhalb Tage über neue Ansätze zur Heilung, Erkennung und Vorbeugung von Verletzungen des Bewegungsapparates. Daneben wurden neue Ansätzen und Präventionskonzepte von namhaften, internationalen Wissenschaftlern vorgestellt, unter anderem von Tom Andriacchi, Vasilios Baltzopoulos, Dieter Felsenberg, Daniel Liebermann, Benno Nigg, Elisabeth Steinhagen-Thiessen, Gustav Steinhoff, Leia Stirling und Anthony D. Woolf.

Neben aktuellen Entwicklungen auf dem Gebiet der Regeneration wurde intensiv über die Bewertung und Validierung von Prävention gesprochen: Kann die Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen überhaupt belegt werden? Diese Frage wurde von vielen Wissenschaftlern aktiv diskutiert. Ein positives Beispiel zum wirksamen Nachweis von Prävention stellte Prof. Daniel Lieberman von der Harvard University vor. Er untersuchte über Jahre hinweg Lauftechniken und Verletzungen und kam zu dem Ergebnis, dass Laufen auf dem Vorderfuß weniger Laufverletzungen hervorbringt, als bei Fersenläufern. Dieses Ergebnis kann unter anderem auf geringere Belastungen durch ein sanfteres Abrollen des Fußes zurückzuführen sein. Lieberman ist überzeugt, dass die jeweilige individuelle Lauftechnik eine Gewohnheit ist, die jeder Läufer auch nachträglich verändern kann.

Einen weiteren Beitrag lieferte Dr. Leia Stirling vom Wyss Institute der Harvard Universität. Sie präsentierte neue Ansätze nach denen beliebige oder stochastische Belastung in Sohlen spezieller Schuhen zugeführt wird. Mit diesem Ansatz könnten die Mechanismen der sensorischen Rückmeldung verbessert werden, was insbesondere bei älteren Menschen zu einer Vermeidung von Stürzen führen kann. Um die Effekte neuer Präventionsansätze jedoch besser verstehen zu können, ist es wichtig, die unterschiedliche und individuelle Wirkung bei jedem einzelnen Patienten genauestens zu identifizieren. Zu diesem Zweck präsentierte Prof. Benno Nigg von der Universität Calgary Methoden zur Bewertung von verschiedenen Belastungsmessungen und deren Kombinationen miteinander, wobei dadurch die Wirksamkeit und Effektivität von Maßnahmen sowie das zu erwartende Ergebnis beim Patienten besser vorausgesagt werden können.

Jedoch waren sich die Wissenschaftler des Symposiums einig: Aktuell können zwar die zellulären Prozesse bei einer Regeneration nachvollzogen und verstanden werden; von einer Beeinflussung der zellulären Prozesse im Zuge einer präventiven Maßnahme ist die Forschung jedoch noch weit entfernt. Der Vorsitzende des Symposiums und Direktor des Julius Wolff Instituts, Prof. Georg Duda, hält hierfür weitere Schritte für notwendig: "Um effektive Präventionsmaßnahmen entwickeln zu können, müssen wir erst verstehen, wie Regeneration funktioniert. Daraus können wir dann gezielt präventive Effekte identifizieren und konkrete Maßnahmen ableiten."

In den letzten Jahren konnte die Forschung erfolgreiche Maßnahmen und Mittel identifizieren, die zu einer schnellen und effektiven Regeneration von Verletzungen führen. Daher sind sich Wissenschaftler und Forscher einig, dass aktuell die frühzeitige Erkennung von Erkrankungen und Verletzungen weiter vorangetrieben werden muss, um auf diese mechanisch und pharmakologisch einwirken zu können: So wurden Programme zur Sturzprophylaxe entwickelt, um vorbeugend Stürze zu vermeiden und Therapien zum Aufbau von bestimmten Muskelgruppen wurden konzipiert, um Überbelastungen ausgleichen und dauerhaft vermeiden zu können.

Die frühzeitige Identifikation von degenerativen Erkrankungen wie Arthrose und Osteoporose steht bei vielen Forschergruppen daher aktuell im Mittelpunkt, um mit bereits vorhandenen Strategien reagieren und Erkrankungen frühzeitig zu stoppen oder  verlangsamen zu können.

Gleichzeitig zeigte sich unter den Wissenschaftlern ein Umdenken: Die Entwicklung von Präventionsstrategien und Maßnahmen halten die meisten in der Zukunft für einen wichtigen Teil der Gesundheitsforschung.


zurück zu Übersicht